
Das Gesundheitsbewußtsein, oft verbunden mit dem Leistungsgedanken, ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. Waren es früher Berufssportler, sportliche Zeitgenossen oder Bodybuilder die die Nahrungsergänzungsmittel zur Leistungssteigerung nutzten, greifen heute viele der gesunden Personen zu den im freien Handel erhältlichen Präparaten.
Als Nahrungsergänzungsmittel bezeichnet man Produkte, die die allgemeine Ernährung ergänzen, indem sie den menschlichen Stoffwechsel mit bestimmten Nähr- oder Wirkstoffen, wie Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente, Aminosäuren und ungesättigten Fettsäuren versorgen.Mit dem oft gehörten Satz “Vitamine sind gesund“ steht mancher Verbraucher ziemlich ratlos vor den Regalen mit einer unüberschaubaren Vielzahl an Vitamin-Präparaten und anderen Wirkstoffkombinationen.
Die deutsche Gesellschaft für Ernährung vertritt die Ansicht, dass eine ausgewogene Ernährung diese künstliche Ergänzungen, von Sonderfällen abgesehen, überflüssig macht. Aber was ist, wenn die massive Werbung für ungesunde Lebensmittel, Stress und weitere Faktoren eine Änderung der Ernährungsgewohnheiten konterkarieren
Die Ergebnisse der Nationalen Verzehrstudie II aus dem Jahr 2007 zeigen, dass Millionen Deutsche mit Vitaminen und Mineralstoffen nicht optimal versorgt sind. Eine dauerhafte Unterversorgung kann die Gesundheit gefährden. Auch die präventive Absicht, Krankheiten mit Nahrungsergänzungsmitteln vorzubeugen, wird für viele Menschen immer wichtiger. Kein menschlicher Organismus gleicht dem anderen und so müssen auch bei der Auswahl der Nahrungsergänzungsmittel die individuellen Voraussetzungen beachtet werden. Daher ist es sinnvoll, einen empfundenen Vitaminmangel vom Arzt abklären zu lassen.
Im Gegensatz zu den Arzneimitteln, die wissenschaftliche Studien zu ihrer Wirksamkeit und Unbedenklichkeit durchlaufen müssen, ist dies bei den Nahrungsergänzungsmitteln nicht vorgeschrieben. Sie müssen lediglich den Qualitätsstandard, gemäß den lebenmittelrechtlichen Bestimmungen, einhalten. So können Nahrungsergänzungsmittel in verschiedenen Ländern sogar Anabolika enthalten, die nicht auf der Packung angegeben wurden. Der Verbraucher hat auch kaum die Möglichkeit, die Dosierung der zugesetzten Inhaltsstoffe zu kontrollieren. Die Grenzen zum „Functional Food“ sind fliessend, da es bislang noch keine einheitliche europäische Regelung gibt. Als funktionelle Lebensmittel (Functional Food) bezeichnet man Nahrungsmittel, die mit zusätzlichen Inhaltsstoffen angereichert sind, die sich positiv auf den Stoffwechsel und damit auf die Gesundheit auswirken sollen. Seit dem 1.Juli 2007 regelt die „Health Claim Verordnung“, dass diese Produkte nicht durch Aussagen mit einem direkten Bezug auf die Gesundheit, beworben werden dürfen. Mit Vitamin C versetzte Bonbons sind immer noch ungesund für die Zähne.
Die Nahrungsergänzungsmittel stehen in dosierter Form in (Brause)Tabletten, Kapseln, Granulat (Trinklösung) oder Säften zur Verfügung. Während früher galt, „was bitter schmeckt hilft“, gilt heute eher, dass das Produkt gut schmecken muss, wenn auch die Wirkung offen bleibt. Diese geringere Wirksamkeit der Nahrungs-ergänzungsmittel beruht auf der niedrigen Dosierung, da sie sonst als Arzneimittel eingestuft werden. Der Körper kann echte Vitamine nicht selbst bilden, sie müssen über vitaminhaltige Nahrungsmittel oder Ergänzungen aufgenommen werden. Im bestem Fall schadet eine Vitamin-Überdosierung nicht oder führt nur zu unkritischen Unpässlichkeiten. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) schätzt Nahrungsergänzungsmittel für Personen, mit ausgewogenen Ernährungsgewohnheiten für überflüssig ein. Nahrungsergänzungsmittel können nur ergänzen, sie sind aber kein Ersatz für gesunde Ernährung. Nur in bestimmten Situationen kann eine Ergänzung sinnvoll sein, zum Beispiel das für die Schilddrüse relevante Jod im jodierten Speisesalz und der Zusatz an Folsäure für Schwangere. Kritisch ist vor allem, wenn ein Präparat mit einer hochdosierten Substanz auf Dauer eingenommen wird. Eine der negativen Auswirkung kann sein, dass das Gleichgewicht der Nährstoffe im Körper gestört wird. Eine Überdosierung von Vitamin A ist schädlich, ebenso der Zusatz von synthetischen Beta-Carotin.